Mein Weg zu den Beginen

Meine erste Begegnung mit den Beginen fand im Jahr 1991 statt. Auf meiner Reise nach Amsterdam habe ich einen gesamten Nachmittag im Innenhof des Begijnhofes verbracht und mir vorgestellt, wie diese Frauen damals gelebt haben und wie ein Leben als Begine in der heutigen Zeit aussehen könnte. 
Beginen sind Frauen, welche alleine oder mit anderen Frauen in Gemeinschaft leben und sich gesellschaftlich engagieren. Sie leben ihre eigene Form der Spiritualität, die heute nicht mehr zwingend mit kirchlichen Glaubensrichtungen verbunden sein muss. Im Mittelalter waren sie die Begleiterinnen des Lebenszyklus von Geburt bis zum Sterben. In der heutigen Zeit steht bei vielen Frauen, die in Beginenhöfen leben, das Leben in Gemeinschaft im Vordergrund. 
Seitdem ist sehr viel Zeit vergangen und unbewusst habe ich mich mit meinem Leben und Wirken dem Leben der Frauen von damals mehr und mehr angenähert. 
Inzwischen weiss ich sogar, dass die Form, welche ich als Lebensmodell gewählt habe, dem der "Wanderbegine" sehr ähnlich ist.

Mich selber begleitet vor allen Dingen die Frage: Wie können wir die Aufgaben, welche diese Frauen damals mit Weisheit und Hingabe übernommen haben, in die Gegenwart bringen und damit einen Beitrag leisten, die Welt zu gestalten, in der wir Leben wollen?